Hier ein Artikel aus der Zeitung zu unserem Jubiläum:
Stadt steckt mindestens 67 Millionen Euro in den Gebäudekomplex von 1976. Die Entscheidung fiel am Abend nach der großen Jubiläumsfeier.
Norderstedt. Das größte Geschenk gab es am Abend nach der Feier: Das Schulzentrum Nord in Norderstedt, das das Lessing-Gymnasium und die Gemeinschaftsschule Friedrichsgabe beherbergt, wird komplett erneuert. Der Altbaukomplex von 1976, neben dem bereits ein neuer Gebäudetrakt entsteht, wird vollständig entkernt, dann saniert und teilweise aufgestockt. Die Kosten: mindestens 67 Millionen Euro. Der definitive Beschluss dazu fiel am Mittwochabend im Ausschuss für Schule und Sport. Es passte zum Tag, denn nur wenige Stunden zuvor feierten beide Schulen gemeinsam mit vielen Gästen in der Aula den 50. Geburtstag des Standorts.
Der Beschluss zur Sanierung hatte eigentlich schon in der Ausschusssitzung Anfang Juni fallen sollen. Doch die CDU-Fraktion hatte noch eine Reihe von Fragen an die Stadtverwaltung. Es ging unter anderem um eine mögliche Baukostensteigerung von 30 Prozent, die in der Beschlussvorlage stand – demnach würde man bei 87 Millionen landen. Die Antwort der Stadtverwaltung: Die 30 Prozent seien nur eine „Risikovorsorge“, derzeit nicht verbindlich kalkulierbar. Das und auch weitere Antworten auf finanzielle Detailfragen überzeugte die Christdemokraten offenbar. Denn der Beschluss fiel einstimmig, ohne jede Diskussion.
Schüler werden vorübergehend in Containern unterrichtet
Er sieht vor, dass Baukosten in Höhe von 67 Millionen Euro sowie Kosten für den Erwerb von Containern in Höhe von 16,5 Millionen Euro als Investitionsmittel bereitgestellt werden, und zwar für die Jahre 2027 bis 2031. Die Container werden dann voraussichtlich 2027 auf dem hinteren Teil des Schulgeländes aufgebaut. Die Schüler werden dort für die Zeit der Bauarbeiten unterrichtet. Der neue Erweiterungsbau der Schule, der derzeit an der Moorbekstraße entsteht, wird dann aber schon nutzbar sein.
Anke Schermer, Leiterin der Gemeinschaftsschule, und Marika Peters, Leiterin des Gymnasiums, nahmen die Entscheidung mit erkennbar großer Erleichterung auf. Fröhlich war die Stimmung bereits am Nachmittag gewesen, als die beiden Schulen das 50. Jubiläum in der Aula begingen. Mehrere ehemalige Schulleiter kamen zum Festakt, darunter Dieter Splittstößer, der von 1975 bis 2000 das Lessing-Gymnasium leitete, sowie Marika Peters‘ direkter Vorgänger Carsten Apsel, Schulleiter von 2014 bis 2022. Der war extra aus Washington angereist, wo er mittlerweile eine deutsche Schule mit internationaler Ausrichtung leitet.
Auch mehrere ehemalige Leiter der früheren Realschule und heutigen Gemeinschaftsschule Friedrichsgabe waren gekommen, darunter Rainer Krenz, Direktor von 1987 bis 2014. Der erinnerte daran, dass man am Schulzentrum schon immer innovativ gewesen sei, etwa mit der Erfindung der Deutsch-als-Zweitsprache (DaZ)-Klassen für Aussiedlerkinder aus der ehemaligen Sowjetunion in den 90er-Jahren. Ein Modell, das später Pate für ganz Schleswig-Holstein stand. Das Gebäude des Schulzentrums, räumte er ein, sei allerdings schon damals „energetisch und architektonisch kein Highlight“ gewesen.
Viele Rednerinnen und Redner lobten den besonderen Zusammenhalt an der Schule und das Miteinander. Ein Beleg war ein Orchester, das sich aus früheren und heutigen Schülerinnen und Schülern zusammensetzte und das die Veranstaltung mit kurzen klassischen Stücken auflockerte. Ein „Schüler der ersten Stunde“, der ab 1976 hier zur Schule ging, ergriff dann auch das Wort. Es handelte sich um Klaus Feldmann, den Bruder von Oberbürgermeisterin Katrin Schmieder.
Feldmann erinnerte an die ersten Monate und Jahre auf dem Campus, als es noch keine Sporthalle und keine Mensa gab, dafür aber einen Kiosk, an dem es Capri-Sonne und Brötchen mit Schaumküssen gab, „für 50 Pfennig das Stück“. Einen großen Raum mit Landkarten für den Geschichts- und Geographieunterricht gab es auch, sowie „Kartendienst“ für Schüler. Und natürlich Tafeldienst. Damit Dinge wie diese und die alten Zeiten allgemein nicht ganz in Vergessenheit geraten, regte Feldmann an, einen Ehemaligenverein zu gründen.
Die Oberbürgermeisterin trat dann auch für eine Glückwunschrede ans Pult. „Ich bin sehr glücklich, hier heute sprechen zu dürfen“, sagte Katrin Schmieder. Denn sie sei der Schule gleich mehrfach besonders verbunden. Zum einen hatte sie als Schülerin selbst Musikunterricht am Lessing-Gymnasium, weil das eine Kooperation mit dem Coppernicus-Gymnasium – ihrer eigentlichen Schule – so vorsah. „Außerdem haben zwei meiner Kinder hier Abitur gemacht“, betonte sie und erinnerte daran, wie man hier zu Corona-Zeiten die Abizeugnisse auf dem Sportplatz verlieh. „Es war aus der Not heraus geboren, aber eine besondere, schöne Feier!“
Nun werde sich das Schulzentrum, wie so viele andere in Norderstedt, die in derselben Zeit erbaut wurden, bald erstmal in eine Baustelle verwandeln. „Machen Sie das Beste aus dieser Übergangssituation“, rief die Oberbürgermeisterin der Schulgemeinschaft zu. Und bat um Verständnis, „wenn es mal nicht schnell genug vorangeht.“ Indes seien die beiden Schulleiterinnen „tough genug, die Interessen ihrer Schulgemeinschaften zu vertreten.“ Und das sei auch gut so.
Laut des Plans soll 2031 alles fertig sein
Bis das ganze Schulzentrum runderneuert ist und dann auch zwölf zusätzliche Klassenräume im Obergeschoss hat, werden in der Tat einige Jahre vergehen. Laut Plan soll 2031 alles fertig sein, gewisse Verzögerungen sind bei solchen Projekten allerdings eher die Regel als die Ausnahme.
Über moderne Räume werden sich beide Schulen trotzdem schon bald freuen können. Denn der Erweiterungsbau soll schon diesen Sommer fertig werden. Die Nutzung ist dann ab Anfang 2027 vorgesehen. Es wird dort 20 moderne Klassenräume geben, für die Oberstufen und die Klassenstufe 10. Außerdem wird es Fachräume für beide Schulen geben, für Kunst und Textiles Werken.
Der Clou des etwa 30 Millionen Euro teuren Gebäudes ist sein Heizsystem. Als erstes Schulgebäude überhaupt in Schleswig-Holstein wird der Komplex durch eine unterirdische Eisheizung beheizt. Die versorgt die Klassenräume im Winter mit Wärme, im Sommer kann dasselbe System die Räume kühlen. „Ich würde schon sagen, dass man das visionär nennen kann“, sagte Katrin Schmieder.
Von Claas Greite (Hamburger Abendblatt)
