Am 12. November 2019 waren die Klassen 6a und 6b sowie die Klassen 6c und 6d in der Stadtbücherei und haben an einer Lesung der Autorin Nasrin Siege teilgenommen.

Sie hat viele Jahre in Afrika gelebt und hat dort mit den Kindern viele Bücher geschrieben. Sie hat uns als erstes eine Diashow gezeigt, mit den Bildern aus Tansania. Dazu hat sie erzählt, was sie erlebt hat.

In Tansania gibt es viele Straßenkinder. Es gibt auch reiche Leute in Tansania, aber in den Bildern hat man keinen einzigen davon gesehen.

Viele Kinder wollen in ein Wohnheim, denn man kann dort unter einem Dach schlafen. Oft schlafen Straßenkinder nur tagsüber, damit sie nachts Wache schieben können. Oft werden sie beraubt. Aber im Drop-In-Center schläft man unter einem festen Dach, bekommt Essen, ja mit Glück sogar einen eigenen Schrank. Es gibt eine Dusche und Toiletten. Nasrin Siege kam oft dorthin und hat Märchen erzählt. Als ihr irgendwann die Märchen ausgegangen sind, hat sie die Kinder gefragt, ob sie Märchen kennen. Oft waren sie grausam.

Häufig wurde ihr erzählt, wie gern alle Kinder dort zur Schule gehen würden. So kam es, das sie ihr eigenes Wohnheim gegründet hat, das Kigogo Wohnheim. Es ist ein reines Jungen-Wohnheim, aber sie hat später auch noch eins für Mädchen gegründet. Dort können viele zur Schule gehen, das Abitur machen und studieren. Es wurde zum Prinzip: Große Brüder helfen kleinen Brüdern. Dort im Wohnheim haben es alle so gut, dass auch Ausflüge gemacht werden können, zum Beispiel in einen der vielen Nationalparks. Es gab eine Menge Kinder, die noch nie einen Elefanten gesehen hatten. Einmal hatte eine deutsche Frau auch ein großes Paket an die Jungen gesendet. Sie hatte nämlich viele Patchwork Decken genäht. Die Kinder haben sich sehr darüber gefreut.

Die meisten Kinder können nicht zur Schule gehen, weil sie nicht das Schulgeld bezahlen können. Viele Kinder müssen auch schon in jungen Jahren arbeiten. Sie machen die gefährliche Arbeit im Steinbruch, andere sammeln aus Müllhalden heraus, was man verkaufen kann. Oft wird der Müll aus Europa mit dem Schiff antransportiert.

Irgendwann gab es kein Geld mehr im Drop-In-Center. Die Kinder wollten betteln gehen, doch das erledigten für sie die Erwachsenen, darunter auch Nasrin Siege. Dadurch hat sie den Verein Hilfe in Afrika gegründet. Er ist

inzwischen auch in anderen Ländern vertreten, darunter auch in Senegal und Namibia.

Am Ende hat Nasrin Siege noch aus ihrem Buch Juma-Ein Straßenkind aus Tansania vorgelesen. Es handelt von einem Jungen, dessen Mutter stirbt und der danach mit seinem jüngeren Bruder bei der Großmutter lebt. Sie hat eine kleine Wohnung, die dürftig eingerichtet ist. Juma geht auch nicht mehr zur Schule, da seine Schulhose kaputt ist. Viele Menschen haben kein Geld für Schuluniformen, müssen altes Obst vom Markt mitnehmen und werden nie satt. Manche schlafen sogar auf dem Markt. Meistens weiß niemand, wo der Schlafplatz ist. Das liegt an der Angst der Kinder. Als Juma zurück zu seinem Vater kommt, haben die Brüder eine Stiefmutter, deren Sohn zur Schule geht, für Juma reicht das Geld nicht. Die Stiefmutter kommandiert die Kinder herum und streitet mit ihnen. Als der kleine Bruder krank wird, wird er von der Stiefmutter nicht mal in das Hospital gebracht. Der Vater kommt nach Hause, bringt den Kleinen zum Hospital, als er dort ankommt, lebte der Bruder nicht mehr.

Frau Siege erzählte uns, dass die Kinder auf der Straße häufig lernen müssen, wie man prügelt, bettelt, lügt, sich zu verteidigen weiß und noch viel, viel mehr. Anders überleben die Kinder nicht. Oft täuschen auch Männer Blindheit vor. Häufig werden die Kinder aber auch verprügelt, die auf dem Bettelplatz von einer anderen Person sind. Sie verteidigen den Bettelplatz wie eine Raubkatze ihr Revier.

Die Figur Juma ist mit zwei Kindern aus dem Heim entstanden, von denen auch einer Juma heißt. Die Geschichte hat also einen wahren Hintergrund. Auf dem Titelbild ist aber nicht Juma, sondern der andere Junge zu sehen. Der echte Juma ist heute Sportlehrer und bringt vielen Straßenkindern das Rugbyspielen bei und ist sehr erfolgreich.

Nun hab ich noch Fragen notiert, die gestellt wurden: Klasse: Wie lange brauchen Sie für ein Buch?

Nasrin Siege: Bei Juma habe ich über ein Jahr gebraucht, da mich die Kinder oft korrigieren mussten.

Klasse: Wie viele Bücher haben Sie geschrieben? Nasrin Siege: So ungefähr vierzehn bis fünfzehn. Klasse: Warum haben Sie die Bücher geschrieben?

Nasrin Siege: Weil die Kinder das wollten.
Klasse: Warum sind Sie nach Afrika gegangen?
Nasrin Siege: Einfach aus Neugierde.
Klasse: Wann haben Sie ihr erstes Buch geschrieben?
Nasrin Siege: Ungefähr in eurem Alter (ca.12). Es kam aber nicht in den Handel.

Es war eine sehr interessante Lesung, die mir und vielen anderen Schülern sehr gut gefallen hat.

Piet Gøsta Rachow, 6b