aus der Norderstedter Zeitung vom 12.5.2011
NORDERSTEDT
Heike Linde-Lembke Oberstufen-Schüler vom Lessing-Gymnasium bringen mitreißendes Musiktheater auf die Bühne NORDERSTEDT. Bocklose Jugend? Kultur- und perspektivloser Nachwuchs? So manch einer, der sich jetzt anschaut, welche Leistungen Jugendliche in den Theater- und Musik-Sparten ihrer Schulen bringen, könnte in Erinnerung an seine eigene Schulzeit vor Neid erblassen. Engagierte Lehrkräfte und hoch motivierte Schülerinnen und Schüler bringen Bestleistungen auf die Bühnen, beispielsweise die Klasse 12c des Norderstedter Lessing-Gymnasiums mit "Peter Schlemihls wundersame Reise" im Festsaal am Falkenberg.
Die Oberstufen-Schüler um Musiklehrer Alexej Stroh und seine Kollegin Yasmin Kelleh setzten das Stück von Albert von Chamisso nicht nur einfach schauspielerisch um. Sie verquickten es mit Franz Schuberts Liederzyklus "Die Winterreise" und erarbeiteten aus dem Lied der Hochromantik mit dem 13 Jahre früher geschriebenen Chamisso-Märchen ein spannendes Musiktheater-Stück und transportierten es ins Heute:
Der Schatten, den Schlemihl aus Geld- und Geltungsgier verkauft, wird zum "Avatar". "In unserer Gesellschaft hat fast jeder eine zweite Persönlichkeit, die ihn im Internet vertritt", sagen die Schüler. Ohne diese zweite Persönlichkeit wären wir nicht diejenigen, die wir sind und wären kein Teil dieser Gesellschaft mehr. Demzufolge startet das Stück der 12c mit einem Facebook-Auftritt Schlemihls. |
In bedrängender Weise machen die Spieler klar, wie der Einzelne in der Gesellschaft zum Nichts werden kann, wie Persönlichkeit demontiert wird.
Styroporplatten dienen als Abschirm-Schilde, als Projektionsflächen für Wünsche. Sie anonymisieren die Gesellschaft und zerbröseln die Platten in schnöden Mammon, den Schlemihl über seine "Freunde" streut, um wieder von allen geliebt zu werden. Intensiv setzt Daniel Groneberg diesen Gaukler der Macht in Szene. Mit faustischen Zügen zeigt Dennis Feuerhacke als "Der graue Herr", der Schlemihls Schatten kauft und seine Liebste, gut gespielt von "Jugend musiziert"-Preisträgerin Berit Koch, in seine Fänge zieht, ein leidenschaftliches Spiel, während die Gesellschaft ein schwarze, schweigende, gierige Masse von Jasagern und Kopfnickern ist. Als "Ouvertüre" spielten die Schüler den pochenden Rhythmus eines Herzens. Zu den Schlemihl-Szenen setzten sie Ausschnitte aus Schuberts 24- teiligem Liederzyklus "Die Winterreise". Sie bearbeiteten die ausgewählten Lieder, ließen einige fast original, arrangierten andere mit den Mitteln des Rock und Metal. Nathalie Land, ebenfalls "Jugend musiziert"-Preisträgerin, begeisterte in den Original-Liedern mit einer hohen, klaren Stimme, konnte aber sekundenschnell in die harte, tiefere Rock-Version mit erbarmungslosen - und erbarmungslos lauten - Beats umschwenken.
Jetzt wollen die Schüler ihr Stück beim Bundes-Festival "Schultheater der Länder" präsentieren, das im September in Düsseldorf ausgetragen wird.
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