Mein Auslandsaufenthalt in den USA

Jan Schattner 2007/8

„Es ist eine Erfahrung- die man wohl niemals vergessen wird. Getrennt von Freunden und seiner Familie- mit völlig fremden Leuten unter einem Dach leben- total auf sich allein gestellt sein- und das alles für ein ganzes Jahr lang, in dem man alles hier in Deutschland aufgibt. Für einige vielleicht eine Horrorvorstellung, für andere, wie für mich, die große Herausforderung“

Dies war der Einleitungssatz für meine Bewerbung für ein Austauschjahr. Und nun bin ich wirklich hier! Letztes Jahr besuchte ich noch das Lessing-Gymnasium mit ungefähr 60 anderen Schülern in meinem Jahrgang- jetzt bin gehe auf die Great Falls High School mit ca. 400 Leuten in meinem Jahrgang und 1700 Mitschülern/innen insgesamt (Amerikanische High Schools haben die Jahrgangsstufen 9-12). Daran, wie auch so viele andere Sachen, musste man sich erst einmal gewöhnen. Mein Schulleben ist total anders, keine großen Pausen und kein Klassenraum. Jeder Lehrer kann sich hier seinen eigenen Raum einrichten mit Postern und Bildern. Die Schüler kommen dann immer zu den Lehrern in den jeweiligen Unterrichtsraum. An einem „normalen“ Schultag sind die Stunden 52 Minuten lang und wir haben 5 Minuten, um zu unserem nächsten Klassenraum zu gehen, und manchmal ist das ein wenig knapp, wenn man vom Keller in den dritten Stock muss und dabei noch ein Buch aus seinem Schließfach (mit Zahlenschloss wie man sie aus einigen Filmen kennt) braucht. Aber die Auswahl an Fächern ist einfach gigantisch an meiner Schule. Es gibt Kurse wie „Gewichte Heben“, Technisches Zeichnen, Schweißen, Kindererziehung, diverse Kochkurse oder Filmproduktion, davon ab kann man auch einen Kurs belegen in dem man ein richtiges Haus baut. Ich war in einem einfacheren Kurs und habe dort ein Gartenhaus gebaut. Natürlich kann man nicht einfach so seine Kurse zusammenwählen wie man möchte. Es gibt bestimmte Regelungen in den einzelnen Jahrgangsstufen. Als Junior (11. Klasse) muss man zum Beispiel Englisch, US-Geschichte und einen Mathematikkurs sowie eine Naturwissenschaft belegen. Mir blieben also 3 Wahlfächer übrig, denn wir haben jeden Tag 7 Stunden und jeden Tag den gleichen Stundenplan... Der Unterricht ist ebenfalls total anders. Unterrichtsbeteiligung zählt so gut wie gar nicht, dafür aber Hausaufgaben um so mehr. Tests und Quizzes kann man nur schlecht mit Arbeiten in Deutschland vergleichen, aber erst recht nicht mit Klausuren. Sie bestehen meisten aus „Wahr oder Falsch-Fragen“, zuordnen oder Fragen mit Antwortsmöglichkeiten und wenige Fragen, die man wirklich selbst mit eigenen Worten beantworten muss. Man kann die Anforderung an einen aber hochschrauben, wenn man Kurse auf Collegelevel wählt, damit steigt dann der Schwierigkeitsgrad an, aber auch vor allem die Hausaufgaben. Solche Kurse kann man in der Schule belegen und muss sie dann nicht am College (für uns Universität) mehr nehmen, sondern bekommt es dort anerkannt. Wenn man also sehr fleißg ist, kann man solche Kurse schon in der Schule hinter sich bringen, was hier einiges an Geld einspart, denn zum College zu gehen ist sehr teuer, aber viele Schüler gehen hier auch noch zur Arbeit neben der Schule, dass heißt alles zu vereinen wird oft schwierig...
Eine weitere Sache, die vom schulischen hier anders ist, ist school-spirit (Schulgeist). Das bedeutet, dass man wirklich stolz ist, auf seine Schule zu gehen. Jede Schule hat ihr eigenes Logo und eine große Auswahl an Schul-T-Shirts. Dies ist nun besonders wichtig für die Sportveranstaltungen, denn der größte Teil, den man an Sport macht, macht man nach der Schule. Aber nicht nur Schulsport wie in Deutschland, sondern auch als eine Art Verein. Wenn nun besondere Spiele sind, wie z.B. das Cross-town-game in Football (in meiner Stadt gibt es zwei große High-Schools, von daher ist es eine große Veranstaltung, wenn diese Schulen gegeneinander spielen!) stattfindet, singt man den Schulsong kräftig mit und feuert sein Team an (vor jedem Spiel wird auch die Nationalhymne gesungen, die amerikanische Flagge ist auf dem Feld und die Leuten legen die Hand auf´s Herz) !
Dadurch, dass der Sport an der Schule stattfindet ist der Alltag sehr anders, wenn man Sport macht. Man bleibt meistens nach dem Unterricht (bis 15.10 Uhr), in der Schule und trainiert, jeden Tag.

Aber von der Schule mal abgesehen, gibt es natürlich auch noch andere Unterschiede, die vielleicht etwas vorurteilig wirken, aber ich hier wirklich so erlebt habe: Die Straßen sind breiter und die Geschäfte größer, genauso wie Verpackungen. Peanuttbutter ersetzt das Nutella und die Schokolade in Deutschland ist wesentlich besser! Des Weiteren gehen hier viel mehr Leute in die Kirche. Einmal in der Woche gibt es in den meisten Kirchen für Jugendliche eine Youth-Group. Das heißt Jugendliche gleichen Alters kommen zusammen, singen, spielen, reden und hören sich Geschichten über Gott an, dies aber auf eine sehr interessante und nicht langweilige Weise, wie sie vielleicht einigen Jugendlichen in Deutschland vorkommt. Auch Sonntags kommen viel mehr Leute in die Kirche zum wöchentlichen Gottesdienst und das bei den vielen Kirchen, die es hier gibt. Kirche ist hier ein „social-event“ und wirkt viel lebendiger und offener. Viele Erwachsene nehmen ihre kleinen Kinder mit zum Gottesdienst und machen sich Notizen über das was der Pastor predigt, woanders vielleicht belächelt, ist das hier nichts Ungewöhnliches.

Einfach gesagt: Das Leben hier ist einfach „different“, wie ich immer sage, wenn Leute mich fragen, ja, es ist anders, natürlich wir leben noch auf der selben Erde, aber irgendwie ist esmungewohnt am Anfang. Ich musste mich an einiges gewöhnen und habe mit ein paar Sachen vielleicht immernoch meine Schwierigkeiten, aber wie viele Sachen werde ich vermissen, wenn ich erst wieder in Deutschland bin? Da wäre wohl der School-Spirit mit ganz oben, genauso wie Geschäfte, die rund um die Uhr geöffnet sind, die Berge, die uns hier umgeben und die man von der Straße aus sehen kann, den riesigen Himmel, oft so wunderschön, den relativen lockeren „American-way-of-life“ und all die Menschen, die ich hier kennengelernt habe! Meine Freunde, in der Schule, aus der ganzen Welt, aus der Kirche oder Menschen, die ich über Freunde oder Familie kennengelernt habe und so viel mehr! Aber vor allem werde ich meine Familie vermissen, meine Gastmutter und meinen Gastbruder! Nach einigen Problemen mit meiner ursprünglichen Gastfamilie bin ich dort ausgezogen, was eigentlich in beider Sinne war, aber irgendwie ganz neu anzufangen, war anfänglich hart, aber jetzt sehe ich, dass es die beste Entscheidung war, die ich in diesem Jahr getroffen habe! Denn hier sind wir nun wirklich zu einer richtigen Familie zusammengewachsen und es wird weh tun sie im Juni zu verlassen.

Nein, ich will hiermit nicht sagen, dass hier immer alles einfach ist und alle immer einem dem Ball zu spielen. Oft gibt es schwierige Zeiten. Man bekommt Heimweh und will irgendwie nur noch weg oder zu den Sachen und den Leuten, an die man gewöhnt ist. Aber alles in allem ist es einfach eine einmalig Chance, die ich nur dieses eine Mal im Leben genießen kann! Es ist einmalig und ich habe es nie bereut hierhergekommen zu sein und darum ein großes Dankeschön an all die Leute, die mir geholfen haben, dies möglich zu machen! Vielen Dank an alle Freunde, Verwandte, Bekannte, Lehrer und vor allem an meine Eltern!