Segeln auf dem Ijsselmeer Studienfahrt Mai 2008

Am 24. Mai 2008 schulterten im Morgengrauen zwanzig Landratten ihre neuen Seesäcke und bestiegen, noch unter dem Oberkommando der erfahrenen Herren Lehm und Thiemann (Letzterer war kurzfristig, selbstlos eingesprungen und hatte die Studienfahrt gerettet!), den Bus, der sie ins ferne Holland zu neuen Abenteuern bringen sollte. Die langen Stunden der Fahrt nutzte man, um sich mental auf das neue Leben in fremden Gewässern einzustellen und auf dem Weg die verschiedensten Sanitäranlagen zu überprüfen. Nachdem sowohl deutsche als auch niederländische Qualität in Augenschein genommen worden war, erreichte man am Nachmittag den Heimathafen des schnellen, schon seit 1910 wohl erprobten (damals noch als Einmastklipper) Zweimastklipper „Nirwana“, Enkhuizen.

Die Seesäcke geschultert schleppte man alles Lebensnotwendige für die nächste Woche (Gott sei Dank hatte man die Süßigkeiten nicht vergessen!) über den endlos scheinenden Kai bis zum Schiff und während man dort noch staunend vor dem weißen Hollandrad an Deck und der Piratenflagge stand, erschienen die Alte (der Alte: Seemannssprache, Käptn), pardon, die erfahrenste Skipperin der holländischen Meere und der „Längste Maat der Welt“, mit seinen über zwei Metern. Nach einer kurzen Einweisung und einer Kommandoaufteilung unter den weisen Herren und den erprobten Seeleuten (immerhin durchsegelte der Maat die tiefen Gewässer schon seit knappen vierzehn Tagen), machten sich die zwanzig neuen Leichtmatrosen schnell daran, alles seefest zu verstauen und zu vertauen.

Und schon ging es los. Doch was war das? Schnell wurde die sonnige Segelromantik durch ein wohlbekanntes Geräusch gestört: ein Motor! Spaß beiseite, jeder braucht heutzutage einen Motor zum Rangieren und kurz nach der ersten Schleuse (Diese forderte übrigens als Passierpfand ein wohl beleibtes, großes Tau.) folgten die ersten Versuche, die Segel zu hissen und Knoten zu, wie sagt man, binden? Nein, man bindet Schleifen, na was soll’s...
Dem vorangegangen war eine weitere Einweisung mit kleinen Demonstrationen, eine Teamaufteilung auf die drei Segel Fock, Besan und Großsegel und das schnelle Kennenlernen und Merken verschiedenster Begriffe. Letzteres war für die schulerprobte Mannschaft natürlich kein Problem, kannte man sich doch bestens mit Vokabellernen aus. Nachdem man nun also alles wusste über Backstagen, das Aufschießen von Tauen, Piek, Klau, Persenning und viele weitere Dinge, begann der wahre Seemannsalltag. (Na gut, natürlich gab es auch noch einige Nachfragen, aber bestimmt war das Schiff trotzdem voller Naturtalente und mit Hilfe des „Sojamannes“ (einer unserer Leichtmatrosen) konnte sowieso nichts schief gehen.) Waren die Segel erst einmal gehisst, wurde das Deck als neue Sonnenbank eingeweiht und die nach einigen Tagen wohlbekannte thiemännsche Kamera schoss ihre ersten von über 250 Fotos. Gegen Abend erreichte man glücklich den Hafen von Monnickendam und freute sich auf das gut organisierte Essen der ersten Kochgruppe.

Der restliche Abend blieb offen für Gespräche oder Spaziergänge durch den kleinen holländischen Ort. Achja, und bevor ich es vergesse, die Jungs, ja die Jungs, mussten unbedingt mit dem Hund vom Nachbarboot spielen, wohl dokumentiert durch oben erwähnte Kamera.
Und während dann am späten Abend langsam die Lichter aus gingen und die Leichtmatrosen voller neuer Eindrücke durch kleine Wellen in den Schlaf geschaukelt wurden, lag nur einer noch wach, gestört durch die laute Musik einer Hafenbar. Doch so hatte der Kommandoinhaber Lehm genug Zeit, sich auszudenken, wie man die mutigen, aber bestimmt morgens faulen Leichtmatrosen am besten munter machen konnte. Und da ihm das Aufziehen eines Slipstegs an einer Hängematte verwehrt blieb, weil es für die verwöhnten Landratten richtige Betten gab, blieb nur eines...
Am frühen Morgen zur angekündigten Zeit, schallte die fröhliche Bootsmannsmaatenpfeife über das Schiff und alle Leichtmatrosen, die noch nicht wach waren (Dies war wohl der Großteil von Ihnen.) lernte eine ganz neue Art des Weckers kennen.
Alle versuchten den Schlaf abzuschütteln und auch der junge Maat fand sich ein. Bloß demjenigen, oder besser derjenigen, die das Oberkommando innehatte, blieben gewisse Privilegien, und so beschloss unsere erfahrene Skipperin lieber einen Moment länger zu schlafen und allein zu frühstücken. Doch spätestens an Deck waren alle vollständig erwacht und starteten mit Elan in die anstehenden Arbeiten.

Der nächste Hafen, den man anlief, war Amsterdam (Diese Entscheidung wurde weise aufgrund der Wetter- und Windvorhersagen getroffen.). Zwar plante man dort nur eine Nacht zu verweilen, doch da am Abreisetag ein so starker Wind entgegen der Reiserichtung blies und man fast ausschließlich hätte halsen müssen (Natürlich wisst ihr alle was das ist!), zeigte man Flexibilität und blieb einfach für eine weitere Nacht. So hatte man ausreichend Zeit für Referate, Einkäufe, das Anne-Frank-Haus, ein ausgiebiges Erkunden der Stadt und eine Grachtenrundfahrt unter erleuchteten Brücken. So lernte man diese wohl bekannte Stadt und die wohl ebenso bekannten Klischees kennen. (Nein, hier gibt es nur ganz normale Cafés, daher doch der Name Coffeeshops! Kleiner Scherz...)

Also gut, weiter. Nach dem der schlimmste Wind sich gelegt hatte, machte man sich auf den Weg in Richtung des Örtchens Stavoren, das man sicher erreichte, doch mit Regenschauern (Natürlich blieben auch bei den schlimmsten Güssen, immer wetterfester werdende Leichtmatrosen an Deck. Schließlich braucht man immer eine gewisse Anzahl Besatzungsmitglieder für wichtige Arbeiten, gerade bei schlechter Witterung. Also in die Regensachen und an Deck, Leute!). Erst am Abend im Hafen klarte es auf.

An den nächsten Tagen verhielt es sich ähnlich: Das Wetter war wechselhaft, der Spaß groß, das Essen gut und ... hatte ich den Spaß schon erwähnt?! Man machte drei verschiedene Gewässer unsicher, das Ijsselmeer, das Markermeer und die Waddenzee, und durchlief im Verlauf der Woche noch die Häfen von Texel (übrigens eine Insel in der Waddenzee) und Medemblik. Es wurden Erfahrungen mit lauten Schulklasse, überholenden Schiffen, Unwetterwarnungen, Fahrradtouren, Sonnenbrand, Referaten auf hoher See, verschiedensten Gerichten und dem Putzen von Toiletten gemacht. Die Fahrt wurde ein Erfolg auf voller Linie!

Als man am 30. Mai 2008 im Heimathafen des treuen Zweimastklippers einlief, hatte man 140 Seemeilen zurückgelegt, was 259,28 km entspricht. Die Stimmung war eher gedrückt, obwohl man sich auch auf seine Landratten zu Hause freute, und das letzte Großreinemachen (bei dem die Herren Lehm und Thiemann nicht helfen mussten!) wurde ohne jeglichen Protest hingenommen. Der Abschied von der kleinen Stammbesatzung der „Nirwana“ verlief jedoch wieder mit aller Fröhlichkeit, so dass ein schönes Gruppenfoto entstand, und man überreichte Skipperin und Maat ihren wohlverdienten Lohn und Dank.
Mit einem letzten wehmütigen Blick schulterten die nun fast nicht mehr „Leicht“matrosen ihre Seesäcke und machten sich auf den Weg zum Bus. Man fuhr jedoch nicht, ohne noch einmal in Holland etwas zu Essen gekauft und der Skipperin gewinkt zu haben, die, man glaubt es kaum, im Auto (!) davonfuhr.

Als dann während einer Sanitäranlageninspizierung auf wieder deutschem Boden auch noch dem „Amsterdam Wild Boy“ und dem „Mann mit der flinken Kamera“ ausgiebig gedankt wurde, ging eine wunderbare Fahrt voller Abenteuer langsam, aber sicher ihrem Ende zu.
Und so wurden die Leichtmatrosen Tim, Yannika, Charlotte, Kai-Lennart, Susanne, Elaine, Johanna, Franziska, Nisa, Elina, Janina, Lisa, Alina, Luise, Zhe Xi, Max, Kevin, Vanessa, Johanna und Andreas zurück in der Heimat von ihren Familien und Freunden empfangen und man wartete ungeduldig darauf, dass sie mit ihrem „Seemannsgarn“ herausrückten. Auch die erschöpften Herren Lehm und Thiemann durften einem ruhigen Abend entgegensehen.

Und damit "AHOI"

ihr Landratten, möge die „Nirwana“ immer eine handbreit Wasser unterm Kiel haben!

Klicken Sie hier, um zur Galerie zu gelangen.