Wenn ich mich an meinen Mathematikunterricht erinnere, kann ich nur sagen: Die Mathematik ist eine freudlose Wissenschaft! Eingepfercht zwischen Geometrie, Bruchrechnung und anderen Verwerflichkeiten vegetierte mein nach Freiheit dürstender Geist dahin und konnte sich in den Deutschstunden nur mäßig von diesen Zumutungen erholen.

Warum aber begeben sich dann meine Kinder jeden Montag in der 7. (!) Stunde in die Mathe-AG, um sich dort freiwillig dieser Wissenschaft zu widmen? (Es soll sogar Menschen geben, die dies in einer 0. Stunde tun!) Warum begeben sie sich am Wochenende in die Schule, um aufgeregt wie vor einer Klassenarbeit an der Vorentscheidung für die Mathe-Olympiade teilzunehmen? Warum setzen sie sich schließlich den Strapazen der Mathe-Olympiade selbst aus?

Ich kann das natürlich nicht verstehen, denn ich hatte eben nie Mathe bei Frau Eileck. Statt knochentrockner Kost wie zu meiner Zeit gibt es hier Knacknüsse, mehrere verschiedene Pizza-Beläge und andere Köstlichkeiten. Außerdem tummeln sich Eichhörnchen neben Maultieren und Lindwürmern und das alles natürlich nicht als Selbstzweck. Vielmehr müssen hier Probleme zu einer Lösung gebracht werden, mit deren Hilfe diese unsere schlechteste aller möglichen Welten ein klein wenig besser wird. Denn es handelt sich hierbei nicht um simple Rechenaufgaben, sondern um solche, für deren Entschlüsselung man meistens einen Geistesblitz braucht.

Der Drang danach, Lösungen zu suchen und zu finden, scheint ansteckend zu sein, denn die Teilnehmerzahl der Mathe-AG steigt stetig an und auch in den Elternhäusern greift der Virus um sich. Meistens erwischt er die Väter, die bei der Suche nach den Ergebnissen schlaflose Nächte zubringen, während der Nachwuchs die Angelegenheit längst im Griff hat.

Den vorläufigen Höhepunkt erreichte das Mathe-Fieber im letzten Schuljahr. Eine (damalige) 6. Klasse flehte (!) um mehr Mathematikunterricht. Dieser Bettelei konnte nur durch ein Mathe-Wochenende entsprochen werden. Fast die ganze Klasse zog an einem Wochenende im Mai mit Sack und Pack in die Schule ein. Neben mathematischen Aufgaben gab es selbstverständlich Verpflegung, die von einigen Eltern und der um den Geisteszustand ihrer Zöglinge schwer besorgten Klassenlehrerin bereit gestellt wurde. Eine Mathe-Rallye sorgte für die nötige Bewegung, die gemeinsamen Mahlzeiten für die Erholung. Die Stimmung war prachtvoll, sämtliche Knobelaufgaben wurden mit Hilfe von Frau Eileck und den von ihr angeheuerten Aushilfslehrkräften gelöst und präsentiert. Die gemeinsame Übernachtung war wie zu erwarten etwas stressig, besonders für einige verhinderte Gespenster. Die Eltern kamen an einem nachfolgenden Elternabend dann in den Genuss, die Aufgaben und deren Lösung von den Schülern präsentiert zu bekommen. Das Unternehmen war rundum gelungen und muss dringend wiederholt werden.

Ein Problem bringt das Ganze mit sich: Meine Kinder sind jetzt natürlich schlauer als ich. Leidgeprüfte Eltern werden nachvollziehen können, was dies bedeutet. Aber sie sind freundlich zu mir, geduldig und nachsichtig: wie Frau Eileck eben!

zuletzt aktualisiert: 15.01.2005