Wenn Sie den unten stehenden Bericht von Herrn Koettgen schon gelesen haben, sehen Sie sich doch gleich die Berichte aus Tanzania und Mali an.

5. Bericht aus dem Senegal (11.5.2011)

4. Bericht aus Mali (2.4.2011)

3. Bericht aus Tanzania (24.2.2011)

2. Bericht aus Tanzania (3.1.2011)

1. Bericht aus Tanzania (9.12.2010)

Vor einem Jahr kam er als neuer Musiklehrer an das LGN. Nun ist Herr Koettgen schon wieder verschwunden - ins Sabbatjahr. Viele fragen sich wie ein Lehrer so einfach ein Jahr Urlaub von der Schule machen kann. Der Sinn eines solchen Jahres ist, dass sich ein Lehrer nach vielen Jahren des Unterrichtens Zeit nehmen kann, sich mit neuesten Unterrichtsmethoden vertraut zu machen, neue Ideen für den Unterricht zu sammeln und sich körperlich zu regenerieren, um dann mit frischer Motivation und Kraft den Unterricht wieder aufzunehmen.
Das bekommt er allerdings nicht geschenkt. Lehrer können ihr Sabbatjahr ansparen, das heißt, sie bekommen ein bis sechs Jahre entsprechend weniger Gehalt, so dass am Ende ein Jahr das Gehalt weiter gezahlt wird. Zum Beispiel arbeitet ein Lehrer drei Jahre bei 3/4 seines Gehaltes, so braucht er das vierte Jahr nicht zu arbeiten (Sabbatjahr) und bekommt dann 3/4 seines Gehaltes in diesem Jahr. Vier Jahre lang verzichtet er auf ein Viertel seines Einkommens, um sich den "Luxus" eines arbeitsfreien Jahres zu gönnen.
Für Herrn Koettgen ist es schon sein zweites Sabbatjar in seiner Laufbahn. Auch das erste Jahr hat er in Afrika verbracht, um dort die Musik zu studieren und nebenbei Hilfsprojekte zu starten und zu betreuen. Um dies zu realisieren, nimmt er sicherlich starke Einschränkungen in seinem Lebensstandard in kauf zugunsten der Erfahrungen, die er in seinem folgenden Bericht schildert.

Herr Koettgen im Sabbatjahr

Nuria-Jamila bei Opa Koettgen

Was macht ein Lehrer so im Sabbatjahr? wurde ich gefragt. Afrika war schon immer unsere Leidenschaft. Und es eignet sich besonders gut dazu, einmal ganz auszusteigen aus alten Gewohnheiten, das Lebenstempo zu drosseln, neue Erfahrungen zu machen, andere Luft zu atmen. In 2 Wochen ist es soweit: wir gehen für 6 Monate nach Afrika.

Tanzania

Strand bei Daressalam

Zunächst folgen wir unserem Enkelkind Nuria (hier geboren am 15.09.2010) nach Tanzania und werden dort drei Monate zum Babysitten bleiben. Unsere Tochter ist mit einem Sansibari verheiratet und lebt und arbeitet in Daressalam. Wir wohnen mit den Dreien zusammen in einem kleinen Haus dicht am Indischen Ozean, Sansibar ist nicht weit, sicher werden wir mit unserer Enkelin oft an den Strand gehen. Im Moment gibt es dauernd Stromausfall, so dass der Ventilator im Haus nicht läuft, was bei 33°C ganz schön schwierig sein wird.

Mali

Krankenhaus Senossa

Anfang des Jahres geht es weiter nach Mali, wo wir in Bamako afrikanische Freunde besuchen, im magischen „Dogonland“ im Süden Malis mit Rucksack unterwegs sein werden, indem wir von Dorf zu Dorf wandern. Übernachtet wird unter dem Moskitonetz auf dem Dach der Lahmhäuser.
Und wir werden uns wieder in Senossa um unsere Projekte kümmern.
Seit 10 Jahren unterstützen wir (meine Frau und ich) das Dorf-Krankenhaus in Senossa, einem kleinen Fula-Dorf in der Nähe von Djenné (größte Lehmbaumoschee der Welt). Als wir das erste Mal dorthin kamen, gab es nicht mal ein Blutdruckmessgerät, geschweige denn Schmerzmedikamente oder eine Lichtanlage. Wir haben nach und nach, in Zusammenarbeit mit dem Bürgermeister und dem Arzt des Krankenhauses, einiges angeschafft und gebaut, u.a. eine Solaranlage, einen Brunnen, eine kleine Apotheke (die jetzt selbständig weiterläuft und sich selbst trägt), eine Sickergrube, diverses Operationsbesteck, Krankenbetten, Renovierung des Daches usw. Das Geld dafür haben wir bei deutschen Freunden und Bekannten gesammelt, denen wir unsere Reise-Dias gezeigt haben und afrikanisch gekocht haben. Nach der Fertigstellung des Anbaus für die Entbindungsstation ist als

Nächstes ein weiterer Anbau für die Hebamme geplant, die bisher bei den Kranken übernachten musste. Daneben gibt es einiges zu renovieren. Wir werden sehen, was nötig ist und gewünscht wird, und es dann gleich in Angriff nehmen. Übrigens verlangen wir bei allem, was wir finanzieren, eine mindestens 10%ige Beteiligung des Dorfes, was bisher immer geklappt hat. So binden wir die Gemeinschaft mit ein und die Bewohner haben nicht das Gefühl, dass sie nur auf fremde Hilfe angewiesen sind. neben dem Krankenhaus haben wir angefangen, Frauenprojekten im Dorf mit Anfangskapital unter die Arme zu greifen. Ein gerade entstandenes Nähprojekt hat von uns 200,-€ bekommen, um Nähmaterial und Stoffe zu kaufen. Z.Zt werden sie gerade in Buchführung und Kalkulation geschult. Das macht die im Dorf lebende amerikanische Peace- Corps-Aktivistin Miranda Lange, mit der wir in engem Kontakt stehen. Welche weiteren Projekte förderungswürdig sind, werden wir vor Ort sehen. Vielleicht werden wir auch versuchen, Mikrokredite zu geben. Weiter überlegen wir, ob wir im Bildungsbereich etwas machen können, weil Entwicklung nun mal maßgeblich von Bildung abhängt. Auch das werden wir mit den Menschen vor Ort besprechen.

Inzwischen waren wir schon viermal dort und konnten uns davon überzeugen, dass im Krankenhaus unsere Mittel immer korrekt eingesetzt wurden und nicht wie bei größeren Hilfsprojekten in dubiosen Kanälen versickern. Das ist eben der Vorteil eines so kleinen Projektes, dass jeder jeden kennt und es keine Bürokratie gibt, die Geld frisst. So können wir garantieren, dass nicht ein Cent der Spendengelder in Verwaltungskosten oder bei offiziellen Stellen versandet, sondern zu 100% den Betroffenen zugute kommt.

Senegal

"Mama Africa" tanzt

Danach werden wir noch 6 Wochen im Senegal sein, in Dakar Freunde besuchen und ich werde wieder mit afrikanischen Musikern mittels eines kleinen Digitalrecorders CD-Aufnahmen machen, die ich dann hier in Deutschland produziere und sie als fertige CDs wieder in den Senegal schicke. So z.B. mit dem Koraspieler Dilimory Diébaté. Das Gleiche im Süden Senegals, im kleinen Dorf Abéné in der Casamance, wo ich mit „Mama Africa“, einer Gruppe von Jugendlichen (Trommler, Sänger und Tänzer) zusammen spiele und

auch Aufnahmen mache. Die letzte von mir produzierte CD lief sogar im senegalesischen Rundfunk, worüber die Jugendlichen mächtig stolz waren. Wohnen werden wir dort in einer kleinen Hütte, ohne Strom, ohne Wasser (das muss aus dem Brunnen geholt werden), nahe am Meer, was bei 35°C für Erfrischung sorgen wird. Diese einfache Lebensweise, ohne jeglichen Luxus, aber unter freundlichen Menschen und immer im Freien, inmitten einer wilden Natur voller wunderschöner Vögel, ist eine solche Wohltat, dass wir sicher wieder gut erholt aus dem Sabbatjahr zurückkehren werden.