Ein Dankeschön für die Haiti-Aktion
Norderstedter Zeitung,18.März 2011
 

Andreas Burgmayer

 

Schüler des Lessing-Gymnasiums wurden von DRK-Präsident Rudolf Seiters auf den Blankeneser

Sülberg eingeladen

Norderstedt. Die Bilder der Katastrophe in Japan überdecken längst die Erinnerung an die Hölle von Haiti. Bei dem Erdbeben im Januar 2010 auf der Insel wurden über 200 000 Menschen getötet. Die internationale Anteilnahme war groß und sie reichte zum Beispiel bis in die Klassen der Schüler des Lessing Gymnasiums in Norderstedt. Schneeschippen, Babysitten, Einkaufen oder mit dem Nachbarshund Gassi gehen: Die 730 Schüler boten ihre Arbeitskraft als Dienstleistung im Verwandten- und Bekanntenkreis an und trugen damit die stolze Spendensumme von 3500 Euro für die Not leidenden Menschen in Haiti zusammen.

Die außergewöhnliche Aktion der Norderstedter Schüler sorgte jetzt für eine außergewöhnliche Anerkennung. Die Lehrerin und Organisatorin der Spendenaktion mit dem Titel "Wir helfen Haiti", Adelheid Mediger, und die Schüler Ramona Pusch und Mark Killen waren stellvertretend für das Gymnasium zu einem Themenabend des Deutschen Roten Kreuzes auf den Blankeneser Süllberg eingeladen worden. "Haiti - ein Jahr nach der Katastrophe" lautete der Titel der Veranstaltung, zu der der Präsident des DRK Deutschland, der ehemalige deutsche Innenminister Rudolf Seiters und Professor Joachim Gardemann, Leiter des "DRK-Krankenhauses aus der Kiste" Ende Februar eingeladen hatten. Die Schüler Ramona und Mark, die sich an ihrem Gymnasium bei der Spendenaktion um die Organisation der Schülerdienstleistungen und die Werbung gekümmert hatten, trafen beim Empfang den DRK-Präsidenten Seiters und wurden von ihm für ihr Engagement beglückwünscht.

Seiters berichtete ihnen, dass er sich gemeinsam mit dem DRK-Botschafter Jan Hofer vor Ort in Haiti von den Folgen des Erdbebens ein Bild gemacht hatte.        Im Anschluss folgte ein beeindruckender Bericht von Joachim Gardemann, der mit seinem mobilen Krankenhaus den Menschen auf Haiti geholfen hatte. Ramona und Mark bekamen zu hören, dass die Logistik und Einsatzbereitschaft der Helfer genauso wichtig für das Gelingen der Hilfe sei wie die finanzielle Unterstützung durch Spenden, wie sie die Norderstedter Schüler aufgebracht hatten.

 

Nahm sich die Zeit für ein persönliches Treffen: DRK-Präsident Rudolf Seiters und die Norderstedter Schüler Ramona Pusch und Mark Killen

Gardemann machte anhand von Fotos und detailreicher Beschreibungen klar, wie schwierig die Hilfsleistung im Katastrophengebiet Haiti war. Sein Zeltkrankenhaus hatte er auf einem Fußballplatz in der Stadt Carrefour aufgebaut: Es gab Zelte für die Patienten, in der Mitte einen OP-Bereich und Unterkünfte für die ehrenamtlichen Helfer. An den Zäunen des Stadions wurden die Sanitäreinrichtungen und das Zelt mit den Generatoren aufgestellt.

Es wurden über 40 000 Menschen bis Dezember 2010 im Zeltkrankenhaus ärztlich versorgt. Nachdem der Einsatz beendet war, wurden die medizinischen Hilfsgüter, also Röntgengeräte und OP-Material, an die teilweise wieder funktionstüchtigen Krankenhäuser vor Ort gespendet. Auf diese Art und Weise sorgen die Spenden, darunter die der Schüler aus Norderstedt, für eine gewisse Nachhaltigkeit. Nach dem das Zeltkrankenhaus abgebaut war, erzählte Gardemann, konnten die fußballbegeisterten Haitianer endlich wieder auf ihrem Platz Fußball spielen. Und so beginnen, das Trauma der Katastrophe langsam hinter sich zu lassen. Für die Schüler waren die Einblicke faszinierend. Das Interesse der Schüler war geweckt.

Als sie im persönlichen Gespräch mit Gardemann erfuhren, dass der Haiti-Helfer sie und ihre Mitschüler in Norderstedt gerne einmal besuchen kommen wolle, um über seine Erfahrungen zu berichten, mussten die Schüler nicht lange nachdenken. Gerne nahmen sie das Angebot an. Für Ende Mai ist ein Vortrag von Professor Joachim Gardemann am Lessing Gymnasium in Planung. Nachhaltiger kann eine Spendenaktion nicht wirken.

Termin: Herr Prof. Dr. Gardemann wird am 25.Mai 2011 zwei Vorträge im Forum halten.